Heutzutage erledigen wir fast alles online, sei es das Abrufen unserer Kontostände, das Ausfüllen von Formularen im Gesundheitswesen oder die Nutzung von Behördendiensten. Doch für Millionen von Menschen mit Behinderungen funktionieren diese digitalen Tools nicht immer so, wie sie sollten.
Um hier Abhilfe zu schaffen, hat die australische Menschenrechtskommission neue Leitlinien veröffentlicht, in denen dargelegt wird, wie Websites, Apps und andere digitale Dienste für alle – einschließlich Menschen mit Behinderungen – benutzerfreundlicher gestaltet werden können.
Bei diesen neuen Regeln geht es nicht nur darum, die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten. Sie sollen Unternehmen dabei helfen, mehr Menschen zu erreichen, den Nutzern ein besseres Erlebnis zu bieten und zu zeigen, dass ihnen Inklusion am Herzen liegt.
Wenn Sie in Australien ein Unternehmen oder eine Dienstleistung betreiben, betreffen diese Änderungen auch Sie. In diesem Blogbeitrag erklären wir Ihnen, was es Neues gibt und warum dies wichtig ist. Wir zeigen Ihnen, wie digitale Barrierefreiheit Ihrem Unternehmen zugutekommen kann, und geben Ihnen Tipps, wie Sie mit der Umsetzung der neuen Richtlinien beginnen können.
Was gibt es Neues, und warum ist das wichtig?
Die neuen Leitlinien enthalten eine umfassendere und ausführlichere Erläuterung dazu, welche digitalen Dienste darunter fallen. Außerdem gehen sie auf viele neue Technologien und Dienste ein, die seit der ersten Ausarbeitung der Leitlinien entstanden sind. Schließlich wird in den Leitlinien den Unternehmen nachdrücklich empfohlen, sich an die WCAG 2.2 zu halten.
Erweiterung der Definition des Begriffs „digitale Dienste“
Bisher war nicht immer klar, welche digitalen Tools gemäß dem Gesetz gegen die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung (Disability Discrimination Act, DDA) barrierefrei sein mussten. Während viele Dienste als unter das Gesetz fallend ausgelegt wurden, werden in den neuen Leitlinien nun eindeutig die digitalen Dienste aufgeführt, die die Barrierefreiheitsstandards erfüllen müssen, wodurch mögliche Unklarheiten beseitigt werden. Dazu gehören:
- Websites
- Mobile Apps
- Online-Formulare
- Digitale Kiosksysteme
- Geldautomaten und Selbstbedienungskassen
- PDF-Dateien und Online-Dokumente
- Videos, E-Mails und sogar Beiträge in sozialen Medien
Warum das wichtig ist:
Diese Aktualisierung hilft Organisationen dabei, ihre Verpflichtungen klar zu verstehen. Sie können entsprechend planen und die digitale Barrierefreiheit in diese Planung einbeziehen. Indem sie von Anfang an barrierefrei gestalten, sparen sie Geld und Zeit. Das Ergebnis sind weniger Barrieren für Menschen mit Behinderungen und bessere digitale Erlebnisse für alle.
Berichterstattung über neue Technologien und Erfahrungen
Die aktualisierten Leitlinien beziehen sich ausdrücklich auf neuere Technologien wie Chatbots, Sprachassistenten und Gesichtserkennung und machen deutlich, dass auch hier digitale Barrierefreiheit erwartet wird.
Warum das wichtig ist:
Die Einbeziehung dieser neueren Produkte und Dienstleistungen signalisiert, dass die digitale Barrierefreiheit mit dem technologischen Wandel Schritt halten muss.
Anpassung an globale Standards
In den neuen Leitlinien wird den Organisationen nachdrücklich empfohlen, sich an die WCAG 2.2, Stufe AA, zu halten.
Die WCAG basieren auf vier Grundprinzipien, die häufig mit dem Akronym POUR bezeichnet werden:
- Wahrnehmbar: Können Menschen den Inhalt sehen, hören oder auf andere Weise erleben?
- Bedienbarkeit: Können Nutzer sich darin zurechtfinden und es nutzen, unabhängig davon, wie sie damit interagieren?
- Verständlich: Ist der Inhalt klar und leicht nachvollziehbar?
- Robust: Funktioniert die Anwendung auf verschiedenen Geräten und mit verschiedenen assistiven Technologien?
Die neuen Richtlinien verweisen zudem auf die europäische Norm EN 301 549, was zeigt, dass Australien bestrebt ist, mit den globalen Standards für Barrierefreiheit Schritt zu halten.
Warum das wichtig ist:
Die Einhaltung der WCAG 2.2 hilft Unternehmen dabei, mehr zu tun, als nur ein Häkchen zu setzen. Es geht darum, digitale Räume zu schaffen, die jeder nutzen kann. Außerdem erleichtert es internationalen Teams, regionenübergreifend einheitlich und konform zu arbeiten.
Warum ist das gut fürs Geschäft?
Barrierefreiheit in den Vordergrund zu stellen, ist nicht nur das Richtige – es ist auch ein Wettbewerbsvorteil.
Barrierefreie digitale Erlebnisse helfen Unternehmen dabei:
- Erreichen Sie mehr Nutzer: Fast jeder fünfte Australier lebt mit einer Behinderung (ABS, 2022), was ein bedeutendes Marktsegment darstellt.
- Verbesserung der SEO-Leistung: Funktionen wie Alt-Text, semantisches HTML und eine logische Struktur verbessern die Suchplatzierungen und die Auffindbarkeit.
- Steigern Sie die Kundenzufriedenheit: Barrierefreies Design sorgt oft für eine übersichtlichere Navigation, eine bessere Anpassung an mobile Geräte und ein reibungsloseres Nutzererlebnis für alle.
- Rechtliche Risiken minimieren: Da die AHRC ihre Erwartungen verschärft, trägt die Anpassung an die neuen Richtlinien dazu bei, Ihr Unternehmen gegen mögliche Beschwerden oder rechtliche Anfechtungen abzusichern.
Es hat sich gezeigt, dass barrierefreie Websites schneller geladen werden, in Suchmaschinen besser ranken und die Absprungrate senken.
Praktische Schritte zur Umsetzung der neuen Richtlinien
Hier sind vier praktische Schritte, mit denen Sie noch heute beginnen können:
1. Führen Sie eine Barrierefreiheitsprüfung durch
So gehen Sie vor:
Überprüfen Sie Ihre Website, Apps, Formulare und andere digitale Inhalte auf Probleme, die Nutzer daran hindern könnten, diese zu nutzen – wie fehlende Formularbeschriftungen, unzureichender Farbkontrast oder eine unübersichtliche Navigation.
So geht’s:
Nutzen Sie kostenlose oder kostenpflichtige Tools wie Axe DevTools, um Ihre digitalen Inhalte zu überprüfen. Diese Tools zeigen häufige Probleme bei der digitalen Barrierefreiheit auf, erklären, was falsch ist, und bieten Anleitungen zur Behebung, damit Sie Ihren Code optimieren können. Sobald Sie die Probleme gefunden haben, sollten Sie vorrangig diejenigen beheben, die am kritischsten sind und erhebliche Barrieren für Menschen mit Behinderungen darstellen. Dazu können beispielsweise „Keyboard Traps“ oder fehlende Alt-Texte gehören. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie Sie diese beheben können, können Sie einen Barrierefreiheitsspezialisten hinzuziehen oder sich an Anbieter wenden, die sich auf Barrierefreiheitstests und die Behebung von Problemen spezialisiert haben.
2. Passen Sie Ihre Inhalte an assistive Technologien an
Was zu tun ist:
Aktualisieren Sie Dokumente, Bilder, Videos und Social-Media-Beiträge, damit sie für Menschen nutzbar sind, die auf Bildschirmleseprogramme, Untertitel oder Sprachbefehle angewiesen sind.
So geht’s:
Maßnahmen wie diese tragen dazu bei, Inhalte für alle wahrnehmbar und nutzbar zu machen:
- Fügen Sie allen Bildern einen Alternativtext hinzu – beschreiben Sie, was auf dem Bild zu sehen ist und warum es wichtig ist.
- Verwenden Sie bei PDF-Dateien eine korrekte Überschriften- und Tag-Struktur, damit Screenreader die Dokumente korrekt durchlaufen können. Tools wie Adobe Acrobat Pro können dabei helfen.
- Fügen Sie Videos präzise Untertitel und Transkripte hinzu. Tools wie YouTube oder Descript erleichtern dies.
- Verwenden Sie bei Beiträgen in sozialen Medien eine einfache Sprache, schreiben Sie Hashtags in PascalCase (#DiesIstEinBeispiel) und fügen Sie Bildbeschreibungen in den Beitrag ein. Falls die Plattform die Möglichkeit bietet, Alternativtext hinzuzufügen, nutzen Sie diese bitte.
3. Barrierefreiheit von Anfang an in das Design integrieren
Vorgehensweise:
„Shift Left“bedeutet, Barrierefreiheit bereits frühzeitig und während des gesamten Entwicklungsprozesses zu berücksichtigen. Es ist wesentlich effizienter und effektiver, Probleme hinsichtlich der Barrierefreiheit bereits in der Planungs- und Entwurfsphase zu erkennen und zu beheben, als erst nach Abschluss der Entwicklung Korrekturen vorzunehmen.
So geht’s:
Mit den folgenden Schritten können Sie digitale Barrierefreiheit zu einem festen Bestandteil Ihres Arbeitsablaufs machen:
- Beginnen Sie damit, Barrierefreiheitsprüfungen in Ihren Design- und Entwicklungsprozess zu integrieren, genau wie Sie es auch bei der Leistung oder der Sicherheit tun würden.
- Verwenden Sie barrierefreie Designmuster wie große Touch-Zielflächen, einen guten Farbkontrast und gut lesbare Schriftarten.
- Beziehen Sie Menschen mit Behinderungen in Ihre Nutzerforschung und Ihre Tests ein. Dies kann bedeuten, mit Beratern für Barrierefreiheit zusammenzuarbeiten, Partnerschaften mit lokalen Behindertenorganisationen einzugehen oder Plattformen für Usability-Tests aus der Ferne zu nutzen, die eine vielfältige Teilnehmergruppe umfassen.
- Stellen Sie sicher, dass Ihr Team weiß, wie Barrierefreiheit in verschiedenen Anwendungsbereichen aussieht – sei es auf einer Website, in einer App, an einem Kiosk oder in einem Chatbot.
4. Schulen Sie Ihre Teams
Was zu tun ist:
Barrierefreiheit ist eine Teamleistung. Jeder muss verstehen, wie sie in seine Rolle passt.
So geht’s:
Auch wenn Sie noch kein Experte sind, können Sie Schulungen zur digitalen Barrierefreiheit durchführen und Ihre Teams mit folgenden Maßnahmen unterstützen:
- Beginnen Sie mit Sensibilisierungsmaßnahmen für alle Beteiligten – Designer, Entwickler, Marketingfachleute, Autoren von Inhalten und Führungskräfte.
- Nutzen Sie einsteigerfreundliche Ressourcen wie die „Deque -University“, kostenlose Erklärvideos zu den WCAG oder Kurzkurse auf Plattformen wie LinkedIn Learning oder Coursera.
- Bestimmen Sie ein oder zwei Teammitglieder, die sich eingehender mit dem Thema befassen und internes Fachwissen aufbauen sollen – sie können zu Ihren Vorreitern in Sachen Barrierefreiheit werden.
- Beziehen Sie Barrierefreiheit in Ihre Einarbeitungsprozesse, Beschaffungsprozesse und Projekt-Checklisten ein.
Wenn Ihnen eine Schulung derzeit nicht möglich erscheint, sollten Sie in Erwägung ziehen, einen Partner hinzuzuziehen, der Ihnen dabei hilft, das Wissen Ihres Teams nach und nach auszubauen.
Barrierefreiheit als Bestandteil Ihrer digitalen Strategie
Bei „ Deque “ unterstützen wir Teams dabei, Barrierefreiheit in jede Phase des digitalen Lebenszyklus zu integrieren – von der Planung und Gestaltung über die Entwicklung und das Testen bis hin zur Aktualisierung von Inhalten. Wir kombinieren fachkundige Beratung, praktische Tools und fachliche Schulungen, um Ihnen dabei zu helfen, inklusive digitale Erlebnisse auf eine Weise zu gestalten, die skalierbar, nachhaltig und menschenzentriert ist.
Wir können Ihre aktuellen digitalen Produkte bewerten, aufzeigen, inwieweit sie den neuesten Anforderungen entsprechen, und Ihnen dabei helfen, anhand der tatsächlichen Auswirkungen auf die Nutzer und Ihrer Geschäftsziele Prioritäten für die wichtigsten Aspekte zu setzen.
Vereinbaren Sie noch heute einen Termin für eine kostenlose strategische Beratung zum Thema Barrierefreiheit.