Bei Usability-Tests steht häufig die Bewertung der Benutzerfreundlichkeit einer Website für einen typischen Nutzer im Vordergrund. Allerdings haben fast 20 % der Bevölkerung eine Behinderung, und die Zahl älterer Website-Nutzer nimmt stetig zu. Umfassende Usability-Tests müssen daher auch die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen berücksichtigen.
Wenn Sie noch wenig Erfahrung mit der Durchführung von UX-Tests für Nutzer mit Behinderungen haben, sind Sie nicht allein. Wir wissen, dass Sie Fragen haben – lesen Sie also weiter, um die Antworten zu erhalten, die Sie brauchen.
Häufig gestellte Fragen: UX-Tests für Nutzer mit Behinderungen
Ab wann sollte ich Menschen mit Behinderungen einbeziehen?
Aus Gründen der Effizienz und der Kosten ist es am besten, Usability-Tests mit Menschen mit Behinderungen erst dann durchzuführen, wenn Sie bereits andere Usability-Tests und Barrierefreiheitsbewertungen durchgeführt haben.
Welche Ausrüstung müssen die Teilnehmer mitbringen?
Menschen mit Behinderungen nutzen assistive Technologien (AT), um Aufgaben zu bewältigen, die sie sonst nicht (oder nur mit Schwierigkeiten) ausführen könnten. Beispiele hierfür sind barrierefreie Tastaturen, Bildschirmleseprogramme und „Sip-and-Puff“-Geräte. Informieren Sie sich unbedingt darüber, welche Arten von AT-Geräten Ihre Teilnehmer benötigen werden, und planen Sie Ihren Test unter Berücksichtigung dieser Geräte.
Welche planerischen Aspekte sollte ich dabei beachten?
Sie sollten sich über folgende Punkte Gedanken machen:
- Merkmale der Teilnehmenden. Wenn Sie Tests für verschiedene Behinderungen durchführen, benötigen Sie mindestens 3–5 Teilnehmende pro Behinderung. Beachten Sie jedoch, dass Menschen mit Behinderungen oft nicht eindeutig in Kategorien eingeordnet werden können.
- So gehen Sie bei der Rekrutierung vor: Nehmen Sie Kontakt zu Organisationen für Menschen mit bestimmten Behinderungen, zu örtlichen Seniorenzentren oder zu Hochschulprogrammen auf. Planen Sie ausreichend Zeit für die Rekrutierung ein, insbesondere wenn Ihre Anforderungen sehr spezifisch sind.
- Die Wahl des besten Standorts. Viele Nutzer haben möglicherweise Probleme mit der Anreise; bedenken Sie daher die Erreichbarkeit Ihres Labors. Überlegen Sie außerdem, ob es besser ist, die Hilfsmittel des Labors zur Verfügung zu stellen oder die der Teilnehmer zu nutzen.
- Wie viel Zeit sollte eingeplant werden? Die Dauer der Prüfung hängt von der Behinderung des Teilnehmers ab; rechnen Sie daher damit, dass die Prüfung länger dauert. Es könnte sinnvoll sein, die Prüfung in kürzere Abschnitte aufzuteilen.
Auf welche Behinderungen sollte ich testen?
Es gibt vier Hauptkategorien von Behinderungen: Sehbehinderungen, Hörbehinderungen, körperliche Behinderungen und kognitive Behinderungen. Innerhalb jeder Kategorie kann es jedoch große Unterschiede geben. So unterscheidet sich beispielsweise Farbenblindheit deutlich von einer Sehschwäche oder völliger Blindheit.
Inwiefern unterscheiden sich Tests zur Ermittlung von Behinderungen von anderen Usability-Tests?
Ein Teil Ihrer UX-Tests wird genauso ablaufen wie bei jedem anderen Teilnehmer, es wird jedoch auch Unterschiede geben. Zum Beispiel:
- Wenden Sie die „Think-out-loud“-Technik mit intensiver Moderation an.
- Konzentrieren Sie sich auf Fehler im Zusammenhang mit der Barrierefreiheit und nicht auf die Zufriedenheit der Nutzer oder darauf, wie viel Zeit für die Erledigung einer Aufgabe benötigt wird.
- Achten Sie eher auf mögliche Zugangsbarrieren als auf die allgemeine Nutzung.
Welche weiteren Bewertungen sollten durchgeführt werden?
Zwar lassen sich mithilfe von Usability-Tests beurteilen, wie benutzerfreundlich ein Produkt für Menschen mit Behinderungen ist, doch lässt sich damit nicht feststellen, ob eine Technologie den Barrierefreiheitsstandards entspricht. Beide Arten von Bewertungen sollten vor der Markteinführung eines neuen Produkts durchgeführt werden.
Denken Sie außerdem daran, dass Nutzer mit Behinderungen genauso sind wie andere Nutzer. Vergessen Sie nicht, auch bei diesen Teilnehmern die allgemeine Benutzerfreundlichkeit und die Nutzerzufriedenheit zu bewerten.
Können Sie weitere Quellen empfehlen?
Ja! Es gibt mehrere Websites, die hervorragende Informationen zur Planung und Durchführung von Usability-Tests für Nutzer mit Behinderungen bieten. Besonders hilfreich sind dabei folgende:
- Einfach fragen: Barrierefreiheit in den gesamten Designprozess integrieren
- Nielsen Norman Group
- W3C-Initiative für Barrierefreiheit im Web
Nächste Schritte
- Erfahren Sie mehr darüber, wie Sie den Einstieg in die digitale Barrierefreiheit schaffen können.
- Sehen Sie sich an, wie Nutzer ihre Erfahrungen mit der Barrierefreiheit im Internet schildern.
- Laden Sie die Checkliste zur Barrierefreiheit von Websites herunter.
- Erfahren Sie mehr über unsere Barrierefreiheitsdienste.